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Stand: 04.06.2018

Pressemitteilung

Caritas und Diakonie: Bund muss mehr in Integrationsberatung investieren

 Der Caritasverband und die Diakonie in Dresden und Pirna fordern vom
Bund mehr in die Integrationsberatung zu investieren. Dabei ist besonders eine
bedarfsgerechte Aufstockung der Finanzmittel für die Jugendmigrationsdienste (JMD) und die
Migrationsberatung (MBE) dringend geboten. Beide christlichen Wohlfahrtsverbände haben
sich dazu an die Bundestagsabgeordneten in der Dresdner Region gewandt und heute (14.9.)
stellvertretend der Bundestagsabgeordneten Susanne Rüthrich einen Forderungskatalog
übergeben.

Stephan Falley, stellvertretender Geschäftsführer des Caritasverbandes für Dresden e.V.
betont: "Bei gleichbleibenden Personalstellen hat sich die Beratungsanzahl bei unseren
Diensten in den letzten beiden Jahren mehr als verdoppelt. Die Kapazitäten sind schon jetzt in
unseren Einrichtungen überschritten. Das heißt, dass wir uns um die Menschen, die bei uns
eine neue Heimat suchen, nicht mehr ordentlich kümmern und sie an die Kultur und die Regeln
unseres Landes heranführen können. Stefan Schrammel, Sozialpädagoge im
Jugendmigrationsdienst der Diakonie Pirna ergänzt: "Statt die Finanzmittel für die
Beratungsdienste zu erhöhen, hat der Bund die Planansätze für 2017 entweder beim Bestand
belassen oder sie wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) sogar um 8 Millionen Euro auf 42,6 Millionen Euro gekürzt. Danach müssten wir nun
weiter Stellen abbauen, was die Situation in den Jugendmigrationsdiensten in Dresden und
dem Landkreis Sächsische Schweiz / Osterzgebirge verschärft."

Seit 2006 haben sich die Zahlen der zugewanderten Menschen verdreifacht, was sich auch auf
die Zahlen in den Beratungsdiensten niederschlägt. 2015 kamen 2.040.000 Menschen nach
Deutschland. Ein Drittel (700.000) davon sind junge Menschen. Für diese Zielgruppe aus den
EU-Staaten und aus Drittstaaten, die zur Arbeitsaufnahme oder aus anderen Gründen nach
Deutschland kommen sowie für junge Geflüchtete (Asylbewerber mit Bleibeperspektive) sind
die JMD ein wichtiges Angebot zur Unterstützung ihres Ankommens in Deutschland. So
suchten im Jahr 2014 insgesamt 513 Migranten im Alter zwischen 12 und 27 Jahren den
Caritas-JMD in Dresden, der der einzige in der Stadt ist, auf. Im Jahr 2015 stieg die Anzahl auf
703 und im ersten Halbjahr 2016 meldeten sich bereits 533 Zugewanderte. In dieser Zeit

blieben die 2,7 Vollzeitstellen konstant. Ähnlich ist der Anstieg in der Migrationsberatung für
Erwachsene in Dresden (2015: insgesamt 400 Migranten, 1. HJ 2016: 353 Migranten).
Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist die Entwicklung gleichermaßen:

In die Caritas-Migrationsberatung kamen 2015 insgesamt 369 und im 1 Halbjahr 2016
insgesamt 465 Personen bei einer Personalstelle.

Im Jugendmigrationsdienst Freital nutzten 2015 insgesamt 253 und im 1. Halbjahr 2016 203
Klienten die Beratung bei 0,75 Personalstelle.

An den Jugendmigrationsdienst der Diakonie wandten sich im 1. Halbjahr 2015 noch 377
Zugewanderte, im gleichen Zeitraum 2016 waren es 625.

In ganz Deutschland fordern die JMD und MBE-Träger:
- für 2017 die Korrektur im Haushaltsentwurf entsprechend des Ansatz für 2016 sowie
mindestens weitere 10 Millionen Euro
- für 2018 und folgende die Fortschreibung dieser Erhöhung in der mittelfristigen
Finanzplanung des Bundes sowie eine Erhöhung dieser Mittel in dem Maße, wie der Titel
für die Integrationskurse erhöht wird. (§ 45 Aufenthaltsgesetz)

Abschließend sagt Stephan Falley: "Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner
Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen
Persönlichkeit (SGB VIII § 1). Dazu muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen, damit
der gesetzliche Auftrag von unseren JMD-Mitarbeitern auch erfüllt werden kann."

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