Dringender Appell: Erhalt der Caritas-Suchtberatung im Dresdner Norden / Einladung zur Offenen (Not)Lage-Sprechstunde der Suchtberatung am 5.11.
Sehr geehrte Fraktionsvorsitzende des Dresdner Stadtrates!
Wir wenden uns mit einem dringenden Appell an Sie, um eine existenzielle Bedrohung für die Dresdner Suchthilfelandschaft abzuwenden. Ohne jegliche Vorwarnung hat uns das Gesundheitsamt am 23. September über das bevorstehende Ende unserer Förderung informiert. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen eines öffentlichen Treffens für alle Träger, das erst wenige Tage zuvor anberaumt worden war. Demnach soll die finanzielle Unterstützung für unsere Caritas-Suchtberatungsstelle zum Jahr 2028 vollständig eingestellt werden.
Für uns ist das ein unvorstellbares Szenario. Die Information über das Ende der Förderung erfolgte in Gutsherrenart und widerspricht grundlegend der bestehenden Vereinbarung zwischen der Landeshauptstadt Dresden und der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Als langjähriger Partner der Landeshauptstadt Dresden vermissen und erwarten wir im Umgang miteinander Transparenz und Offenheit. Die für uns existenzielle Entscheidung wurde bisher lediglich mündlich verkündet - eine schriftliche Begründung fehlt bis heute völlig. Das Verfahren ist absolut intransparent: Es gab keinen Dialog auf Augenhöhe. Stattdessen hatte jeder Träger einzeln am Tisch der Verwaltung heranzutreten, um die geplanten Förderhöhe diktiert zu bekommen. Für uns steht dort ab 2028 eine Null.
Die mündliche Begründung des Amtes, andere Suchtberatungsstellen könnten unsere Angebote "ohne Weiteres übernehmen" und die Caritas habe "keine speziellen Angebote, die andere nicht im Portfolio haben", ist nicht nachvollziehbar. Sie offenbart zudem ein erschreckendes Verständnis von Trägervielfalt und Subsidiarität. Unser Dienst und unsere Mitarbeiter fühlen sich durch diese herablassende Aussage zutiefst entwertet und in ihrer langjährigen, professionellen Arbeit in keiner Weise gewürdigt.
Zu allem Überfluss erklärte das Gesundheitsamt am Ende des einbestellten Trägertreffens, dass es für ein Gespräch nicht zur Verfügung steht und verwies die freien Träger stattdessen direkt an den Stadtrat. Diese explizite Verweigerung jeglichen fachlichen Dialogs seitens einer städtischen Behörde ist ein politischer Skandal. Wozu gibt es Gremien und auch offizielle Austauschund Verständigungsrunden? Das Verhalten des Amtes zwingt uns nun dazu, an die Öffentlichkeit zu gehen und Sie als gewählte Bürgervertretung direkt in die Pflicht zu nehmen.
Seit 1985 leistet unsere Suchtberatungsstelle in der Dresdner Neustadt unverzichtbare Arbeit. Gegründet und aufgebaut in den für freie Träger äußerst schwierigen Zeiten der SED-Diktatur, hat sie über Jahrzehnte hinweg gesellschaftliche Umbrüche überstanden und ist zu einer festen Säule der Suchthilfe in unserer Stadt geworden. Suchtkranke Menschen brauchen Kontinuität, Vertrauen und ein stabiles, regionales Netzwerk. Eine Schließung würde eine gravierende Versorgungslücke hinterlassen und gewachsene Hilfestrukturen zerschlagen: Über 600 Betroffene stünden plötzlich ohne Betreuung da.
Mit dem Förderstopp droht das plötzliche Aus für ein eingespieltes Team. Wertvolles Fachwissen und langjährige Erfahrung gehen damit unwiederbringlich verloren. Davon betroffen sind nicht nur die von der Stadt Dresden finanzierten Fachkräfte in der Beratung von 3,29 Vollzeitäquivalenten (VZÄ), sondern auch Stellen in der Verwaltung, der Rehabilitation und im Klinikprojekt. Insgesamt stehen mehr als fünf VZÄ vor dem Aus. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über Jahre hinweg wertvolle Arbeit für Menschen mit Suchtproblemen geleistet haben, bedeutet dies den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Wir fordern Sie daher eindringlich auf:
1. Stoppen Sie das angekündigte Förder-Aus für die Caritas-Suchtberatungsstelle im Dresdner Norden.
2. Setzen Sie sich für ein transparentes, faires Verfahren im Umgang mit freien Trägern ein, das auf fachlichen Kriterien und dem Dialog auf Augenhöhe basiert.
3. Sichern Sie die Suchthilfe unserer Stadt nachhaltig! Ein Wegfall der Angebote entzieht Betroffenen
verlässliche Hilfe und zerstört gewachsene Ehrenamts- und Selbsthilfestrukturen. Das ist auch wirtschaftlich fatal: Die durch Rückfälle drohenden, viermonatigen Klinik- und Reha-Aufenthalte übersteigen die Kosten für stabile Prävention bei Weitem. Prävention spart Kosten und rettet Existenzen.
Wir wünschen uns für Dresden einen konstruktiven, transparenten und partizipativen Dialog. Suchtprobleme nehmen in unserer Gesellschaft weiter zu - es braucht eine bedarfs-gerechte ambulante Suchthilfe.
Um Ihnen einen eigenen Eindruck zu vermitteln und den gemeinsamen Dialog zu pflegen, laden
wir Sie herzlich ein zur:
Offenen (Not)Lage-Sprechstunde der Suchtberatung
am Donnerstag, den 5. November 2026, zwischen 15:00 und 17:00 Uhr
in die Caritas-Suchtberatungs- und Behandlungsstelle (Görlitzer Straße 18, 01099 Dresden)
Über Ihre Teilnahme würden wir uns sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Juliana Schneider Sebastian Kieslich Karin Tenbusch
Geschäftsführerin Geschäftsführer Leiterin Suchtberatungsstelle