Die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt für das Jahr 2026 treffen die Integrationsarbeit vor Ort mit voller Härte. Wie die Jugendmigrationsdienste (JMD) des Caritasverbandes für Dresden e.V. und der Diakonie Pirna heute (13.5.) mitteilen, muss aufgrund der massiven Mittelkürzungen im Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundes die offene Sprechzeit ab sofort drastisch reduziert bzw. dauerhaft eingestellt werden. Das bedeutet, dass die bisherige niederschwellige Anlaufstelle für junge Neuzuwanderer zwischen 12 und 26 Jahren nicht mehr im gewohnten Umfang aufrechterhalten werden kann. Zudem führen die Reduzierungen der Fördermittel zu einem Verlust von langjährig aufgebautem Fachwissen, Kooperationen und Netzwerken.
Caritas-Geschäftsführer Sebastian Kieslich: "Integration geschieht nicht von selbst - sie braucht verlässliche Strukturen! Die Einstellung der offenen Sprechzeit in Dresden ist daher ein Alarmzeichen. Ohne die notwendigen Ressourcen können wir junge Menschen nicht mehr zeitnah bei der Suche nach Sprachkursen, Ausbildungsplätzen oder der Anerkennung von Zeugnissen unterstützen. Die Kürzungen fallen vor allem den Behörden und Institutionen in den strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland auf die Füße und kommen unserer Gesellschaft somit teuer zu stehen."
Tobias Oertel, geschäftsführender Vorstand der Diakonie Pirna ergänzt: "Gerade junge Menschen aus dem EU-Ausland und ferneren Ländern bringen viel Potenzial in unsere Region. Häufig benötigen diese eine Zeit der Unterstützung, um hier im Landkreis Fuß zu fassen. Und genau das Leisten die Jugendmigrationsdienste. Wir alle kennen die bürokratischen Eigenheiten, die in Deutschland zu meistern sind. Die zumeist große Lernbereitschaft ermöglicht baldige Erfolge bei Sprache und Ausbildung. Bei einem Wegfall der JMD gibt es keine alternativen Anlaufstellen, die diese Anfangsunterstützung leisten können. Damit würden unserer Region Arbeitskräfte verloren gehen."
Um die Qualität der verbleibenden Beratungen zu sichern, stellen die JMD ihr System vollständig auf feste Terminvereinbarungen um. Ab sofort sind Besuche ausschließlich nach vorheriger Anmeldung möglich. Die Anmeldung erfolgt beim Caritasverband für Dresden e.V. über jmd-beratung@caritas-dresden.de oder telefonisch unter 0351 49 84 726 oder 0351 49 84 742 und bei der Diakonie Pirna über jmd@diakonie-pirna.de oder telefonisch unter 03501 468130. Derzeit muss mit einer Vorlaufzeit von 2 Wochen gerechnet werden.
Über die Jugendmigrationsdienste (JMD)
Die Jugendmigrationsdienste (JMD) sind ein zentraler Pfeiler der Integrationsstrategie der Bundesregierung. Sie begleiten junge Menschen mit Migrationshintergrund im Alter zwischen 12 und 26 Jahren bei ihrer sozialen und beruflichen Integration. Dabei nimmt die Beratung die gesamte Lebenssituation der jungen Menschen in den Blick. Unsere Fachkräfte unterstützen bei sprachlichen, schulischen, sozialen und beruflichen Herausforderungen, ermöglichen Chancengerechtigkeit und schaffen damit die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. So wurden im Jahr 2025 Jahr etwa 1.400 Ratsuchende zum Teil mit mehreren Gesprächsanfragen in Dresden und im Landkreis Sächsische Schweiz / Osterzgebirge beraten.
Finanziert wird der Dienst maßgeblich aus dem Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Mittelkürzungen des Bundes haben nun dazu geführt, dass die Eigenmittel der Träger kurzfristig von 10 auf 25 Prozent erhöht wurden. Hintergrund ist, dass im Dezember 2025 die Träger die Information erhielten, dass der Bund im Haushaltsausschuss die beantragten Förderungen für das dann schon nahezu abgelaufene Haushaltsjahr bundesweit von den beantragten 73 Millionen Euro auf 65,5 Millionen Euro reduziert hat. Das setzt sich nun für 2026 fort. Um alle Angebote in den JMD zu halten, hätten der Caritasverband für Dresden e.V. und die Diakonie Pirna in diesem Jahr 200.000 Euro bereitstellen müssen.
Mit der Reduzierung der JMD kommt es zwangsläufig zur Verschiebung der Unterstützungsbedarfe hin zu anderen Institutionen, die weder über Kapazitäten noch über ausreichendes Fachwissen und Netzwerke zur adäquaten Unterstützung verfügen. Der häufig erste Ansprechpartner nach der Einreise für junge Schulpflichtige ab dem 12. Lebensjahr bis hin zum 27. Lebensjahr entfällt und damit die präventive Beratung, welche die Behörden und Institutionen z.B. Landesamt für Schule und Bildung, Schule und Jugendamt derzeit noch entlastet.